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Die Pop-Up Radler

Die Pop-Up Radler

Die Klimakrise und Verkehrsinfarkte fordern eine Abkehr der jetzigen Reisegewohnheiten – dass weiß mittlerweile jedes Kind. Doch wie gelingt uns die gemeinsame Verkehrswende, ohne dabei an Komfort, Flexibilität und Reisegeschwindigkeit Abstriche zu machen zu? Mit dem Fahrrad!

Es wird Sie kaum verwundern, wir widmen uns bei diesem Thema verstärkt dem Fahrrad – aber warum auch nicht, schließlich zählt das Fahrrad zu den Corona-Krisengewinnern und erfährt gut 200 Jahre nach seiner Entwicklung eine wahre Renaissance in Sachen urbaner Mobilität. Während der ersten Corona-Welle ist die tägliche Nutzung des Fahrrades gegenüber 2019 um 5 Prozentpunkte angestiegen und kam auf 22 Prozent. Dies könnte sich sogar zu einem nachhaltigen Trend entwickeln, denn knapp 30 % der Bundesbürger wollen laut dem aktuellen Acatech-Mobilitätsmonitor auch nach der Krise öfters das Fahrrad nutzen. Eine tolle Tendenz, die sich weiter beschleunigen könnte, da 70 Prozent der Verkehrsteilnehmer, gerne öfters das Lenkrad gegen den Lenker tauschen würden. Aber was steht dem im Wege? Viele haben schlichtweg Angst. Die Bedrohung durch Autofahrer, Lieferwagen und zu schmalen Radwegen mit zu vielen Teilnehmern ist vielen zu hoch. Hinzu kommen ganz gewöhnliche Gründe: Bequemlichkeit, Flexibilität, Komfort – da greifen doch die meisten wieder vermehrt auf Ihr Auto zurück.

Auto statt Fahrrad – nicht alle bleiben dem Fahrrad nach der ersten Corona-Welle treu. Bild: Eray Aydin

Ja zur Bequemlichkeit

Die Lösung für einen Mobilitätswandel auf zwei Rädern wurden in vielen deutschen Großstädten erfolgreich erprobt. Durch kurzerhand errichteter Pop-Up Radwege sind während der ersten Corona-Welle zwischen März und Mai überall die Pop-Up Radler aus den Häusern gerollt. Ein weniger an Verkehrsaufkommen, breitere Radwege und ein erhöhtes Gemeinschafts- und Sicherheitsgefühl durch das Fahren in der Gruppe, haben das Fahrradfahren en Vogue gemacht. Was auch gleich die Umsätze im Zweiradfachhandel im Vergleich zum Vorjahr um 9 % wachsen ließ – wohlgemerkt inklusive eines 6-wöchigen Lockdown. Es scheint, die deutschen sind auf das Rad gekommen. „Deutschland ist Radlerland“, hätte manch einer da gerne ausgerufen, denn wie es schien, hat das Radfahren den deutschen Spaß gemacht. Doch mit zunehmendem Autoverkehr in den Innenstädten, und dem Abbau vieler Pop-Up Radwege wurde das Radfahren wieder zur Aufgabe, anstatt zum Vergnügen.

Doch der Beweis scheint erbracht: Wird dem Bundesbürger eine Fahrrad-Infrastruktur geboten, wie er diese vom Autofahren kennt, steigt er vermehrt auf das Fahrrad. Und das Fahrradfahren nicht nur die Radler glücklich macht, sondern auch die Autofahrer, zeigt, dass bereits 5 % weniger Autoverkehr eine spürbare Entlastung im Straßenverkehr bringen. Das lässt Autofahrer, die nicht aufs Rad umsteigen können, schneller und stressfreie ans Ziel kommen. Ein win-win Situation für beide Seiten.

Aus der Autospur wurde in kurzer Zeit ein Pop-Up-Radweg. Bild Eray Aydin

Geben und nehmen

Ganz ohne Reibungsverluste wird dieser Prozess allerdings nicht funktionieren, denn eine adäquate Radwegeinfrastruktur braucht Platz. Zwangsläufig muss die Autospur mancherorts weichen, um dem Radler mehr Straße abzugeben. Denn viele Radfahrer, die nun vermehrt zum Rad greifen, gehören oft nicht zu den geübtesten Radfahrern. Hinzu kommt ein vermehrtes Aufkommen das sicher durch deutsche Straßen zu geführt werden muss. Nicht nur sicher, sondern auch schneller sollte es gehen: Für Fahrradfahrer macht es einen Unterschied, ob die Wegstrecke einen Kilometer länger oder kürzer ist und wie die Wegbeschaffenheit ist. Der Radler verhält sich dabei wie fließendes Wasser, er wählt naturgemäß die einfachste und schnellste Strecke. Dies sollte bei der Radwegplanung berücksichtigt werden, auch wenn es unbequem klingt. Erst wenn die Vorteile für ein Radfahren auf der Hand liegen, wird es einen spürbaren Umstieg vom Auto auf das Rad geben – vor allem auf der Kurzstrecke.

„Sicherheit, Sauberkeit, Schnelligkeit, Einfachheit – Geborgenheit“

Nur um ein paar Attribute zu nennen, die es braucht, um die Reisegewohnheiten der Bundesbürger zu ändern, um aus Autofahrern Fahrradfahrer zu machen. Solange dies nicht ernsthaft von der Politik angegangen wird, wird es keine Verkehrswende hin zum Fahrrad geben. Denn die eigene Bequemlichkeit lässt viele immer noch zum einfacheren Verkehrsmittel greifen. Nehmen wir noch einmal das Beispiel des fließenden Wassers: sobald die Verkehrsteilnehmer spürbar merken, dass sie mit dem Fahrrad schneller am Ziel sind, werden sie automatisch zum Fahrrad greifen. Bei aller Bequemlichkeit – niemand steht gerne im Stau und ist dazu noch langsamer und zeitlich unkalkulierbarer am Ziel.

Mit dem E-Bike flott durch die Stadt. Bild Eray Aydin

Die Errungenschaft der Industrie: das E-Bike

Um eine deutliche Verkehrswende zu realisieren und im gleichen Zug noch bis Ende des Jahrzehnts 40 Prozent Kohlendioxid im Verkehr einzusparen, braucht es viele Partner, die diese Anstrengung zu meistern. Auch die Industrie hilft dabei. Immer mehr Arbeitgeber bieten neben dem Dienstauto auch ein Dienstfahrrad zum Leasing an, wie beispielsweise der Leasinganbieter Eurorad.de. Und dass ein Fahrrad nicht mehr nur mit Muskelkraft angetrieben werden muss, ist mittlerweile in den meisten Haushalten angekommen. Allein 2019 verkauften sich hierzulande rund 1,4 Million E-Bikes – Tendenz steigend. Das diese E-Bikes nicht nur leichter, sondern auch einfacher zu fahren sind, zeigt eindrucksvoll die Firma Pegasus mit ihrem Kassenschlager dem Modell Pegasus Premio Evo 10 Lite. Das beliebte Citybike lässt sich spielerisch durch den Großstadt-Dschungel manövrieren und ermöglicht auch dem ungeübten Radfahrer eine sichere Fahrweise. Damit wäre eigentlich alles da, um die Verkehrswende mit dem Fahrrad einzuläuten inklusive einer Blaupause durch unsere Nachbarn in den BeNeLux Staaten.

Radwegeführung in Amsterdam, jede Richtung bekommt einen Streifen ab vom Verkehr: Gettyimages: George Pachantouris

„Nachbarschaftshilfe“

Wie die Verkehrswende hin zu mehr Fahrrad-Mobilität funktioniert, zeigt ein Blick über die Landesgrenzen in die BeNeLux Staaten oder Dänemark. Dort wurde peu a peu eine Fahrradinfrastruktur in den Städten aufgebaut und vielleicht das wichtigste: den Radfahrern mehr Rechte und Platz eingeräumt. Beispielsweise wurden dort Pro-Radfahrer Verkehrsregeln eingeführt oder erprobt, wie: sobald sich das Fahrrad und das Auto die gleiche Straße teilen gilt Tempo 30 und viele Fahrradstraßen bekamen gegenüber dem Autoverkehr Vorfahrt. Dies funktioniert auch deshalb so gut, weil viele Autofahrer aufs Fahrrad umgestiegen sind und das Autoverkehrsaufkommen damit zurückgegangen ist – trotz der Einschränkungen kommen die noch verbliebenen Autofahrer weiterhin zügig voran.  

Warum uns viele Länder in Sachen Fahrrad-Mobilität weit voraus sind, lässt sich wohl am deutlichsten durch das Mantra: Deutschland Autoland, erklären. Das es nicht so bleiben muss, zeigen uns unsere kleinen Nachbarn.

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