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PINION MGU – Der Game Changer

PINION MGU – Der Game Changer

Revolutionär Produkte sind zur Seltenheit in der Fahrradbranche geworden. Die schwäbische Firma Pinion sorgt nun aber für eine echte Revolution. Mit der Motor Gearbox Unit (MGU), einer Kombination aus Mittelmotor und Getriebe­schaltung, wird die klassische Schaltung am Hinterrad vielleicht bald überflüssig. Kann das funktionieren?

Dem wollen wir in unserem 1. Teil der Pinion Story einmal auf den Grund gehen, um euch im 2. Teil E-Bikes mit der neuen Pinion-Technologie vorzustellen.

Aus technischer Sicht ist die Fusion von Schaltung und Motor nur logisch, denn beide als zwei voneinander getrennte Systeme zu konzipieren ist eigentlich nicht optimal. Vor allem das Schalten mit Druck auf dem Pedal kann zu Problemen führen – der Verschleiß von Kassette und Kette ist enorm. Mit der neuen Pinion MGU – kurz für „Motor Gearbox Unit“ – ist das kein Problem mehr: Gangwechsel unter Last sind ohne Einschränkungen möglich, nennenswerten Verschleiß weist das Getriebe ebenfalls nicht auf. Als einzige Wartungsmaßnahme soll nach rund 10.000 km ein Ölwechsel im Getriebe durchgeführt werden. In Verbindung mit einem Carbonriemen kommen wir somit dem wartungsfreien E-Bike schon sehr nahe. Zum Vergleich: eine Kette sollte alle 2.000 bis 3.000 Kilometer gewechselt werden, der Riemen hält in etwa zehn Mal so lange.

E-Bike-Revolution aus Süddeutschland?

Dass Pinion, ein vergleichsweise kleiner Hersteller aus der Nähe von Stuttgart, ein so bahnbrechend neues Antriebssystem auf den Markt bringt, ist nur im ersten Moment überraschend. Die Erfahrung, die man dort seit vielen Jahren beim Bau von Schaltgetrieben für Fahrräder sammeln konnte, ist der entscheidende Vorteil. Dennoch dauerte die Entwicklung des E-Drive Systems über zehn Jahre.
Eine Getriebeschaltung wie in der Pinion MGU kennt man vor allem von Nabenschaltungen. Trotz ihrer unbestrittenen Vorteile kommen sie fast ausschließlich an Stadträdern zum Einsatz. Wieso eigentlich? Das liegt vor allem an zwei Dingen: Zum einen haben die allermeisten Nabenschaltungen gegenüber einer Kettenschaltung eine deutlich kleinere Bandbreite. Das heißt, dass leichtester und schwerster Gang viel näher beisammen liegen. Selbst mit Motorunterstützung sind steile Anstiege so kaum zu bewältigen. Außerdem sind Nabenschaltungen alles andere als leicht und verschieben durch die Platzierung im Hinterrad den Schwerpunkt des Fahrrades. Gerade am Mountainbike hat das negative Auswirkungen auf das Fahrverhalten

Riesige Bandbreite und hoher Schaltkomfort

Das Schaltgetriebe der MGU kann diese Nachteile ausmerzen, ohne dabei die Vorteile einzubüßen. Erhältlich ist es in einer Variante mit neun oder mit zwölf Gängen. In beiden Fällen ist die Bandbreite größer als bei allen regulären Schaltungen am Hinterrad, ganz egal ob SRAM, Shimano oder Rohloff. Auch beim Gewicht kann das Pinion-System punkten: Mit vier Kilo für Motor samt Schaltung werden gegenüber dem klassischen Mittelmotor in Kombination mit Schalt­nabe mehrere hundert Gramm eingespart. Im Vergleich zur Kettenschaltung ist man zwar etwas schwerer unterwegs, aber Mountainbiker freuen sich über einen tieferen Schwerpunkt und den Wegfall des exponierten Schaltwerks am Hinterrad.
Der Schaltimpuls selbst wird elektronisch übertragen und kommt von einem kompakten Trigger am Lenker. Dieser ist optisch wie ergonomisch einem klassischen mechanischen Hebel nachempfunden und wird per Kabel direkt vom Hauptakku mit Strom versorgt. Sollte besagter Energiespeicher leer sein, sind laut Pinion trotzdem noch weitere eintausend Schaltvorgänge möglich.

Kraftpaket!

Mit Getrieben hat man bei Pinion viel Erfahrung, beim Motor betreten die Schwaben Neuland. Die technischen Daten des Aggregats „Made in Germany“ lesen sich vielversprechend: Mit einer Maximalleistung von 600 W für die Pedelec Version und 800 W für S-Pedelecs liegt Pinion auf dem Niveau von Platzhirschen wie dem Bosch CX, Shimano EP8 oder dem Brose Drive S Mag. Die Angabe des Drehmoments gestaltet sich aufgrund des integrierten Schaltgetriebes schwierig: Pinion selbst spricht von vergleichbaren 85 Nm, aber bis zu 160 Nm, die am Hinterrad ankommen.

„Das Pinion System ist ein
Game Changer für die Rad­branche. Das System fährt sich grandios, was man vor allem dann merkt, wenn man wieder auf ein anderes System zurückwechselt. Es ist präzise, clean und leise, da klappert in Abfahrten nichts. Das ist die Zukunft, da bin ich mir sicher! Wer es einmal gefahren ist, will nichts anderes mehr.“

Karl Platt, Markenbotschafter BULLS, nach seinen Testfahrten am Gardasee.


Vier Unterstützungsstufen stehen zur Wahl: Eco, Flow, Flex und Fly. Dabei passen die beiden Stufen Flow und Flex die abgegebene Leistung adaptiv je nach Pedaldruck an. Wer möchte, kann über die FIT E-Bike App jede Stufe auch in verschiedenen Parametern an die eigenen Wünsche anpassen. Über eine Taste am Bedienteil lässt sich außerdem in allen Unterstützungsstufen die maximale Leistung freischalten, so lange, bis man besagte Taste wieder loslässt. Darüber dürften sich vor allem E-Mountainbiker freuen, die gerne technische Uphills unter die Räder nehmen.

Intelligente Schaltungs-Features

Schaltung wie Motor sind also ausgesprochen innovativ, doch die wahre Stärke der Pinion MGU liegt darin, beides in einem System zu vereinen. So kann der Motor seine Drehzahl beispielsweise in Abhängigkeit vom eingelegten Gang und der Trittfrequenz dynamisch anpassen. Ein effizienter Betrieb und ein natürliches Fahrgefühl sind die Folge. Ebenso ergeben sich innovative Schalt-Features wie das sogenannte Pre.Select. Bei Aktivierung wird eine Wunsch-Trittfrequenz festgelegt und das System wechselt während des Rollens – etwa in einer Abfahrt – selbständig in den geeigneten Gang, damit man passend zur gefahrenen Geschwindigkeit weiter pedalieren kann. Über Start.Select lässt sich außerdem ein Gang zum Anfahren definieren, in den die MGU beim Anhalten wechselt.

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FIT als starker Partner

Was wäre eine neue, technisch überzeugende Antriebseinheit ohne eine smarte Verbindung mit Akkus, Bedienteilen, Displays und der Software? Für all das hat sich Pinion mit FIT einen Partner mit großer Erfahrung ins Boot geholt. Die Komponenten der Schweizer waren bislang mit Motoren von Brose und Panasonic erhältlich und wurden von zahlreichen großen Herstellern wie Bulls oder Pegasus verbaut. Entsprechend existiert bereits ein großes Netz an Servicepartnern und Fachhändlern, die sich fortan auch um E-Bikes mit Pinion Antrieb kümmern werden.


Bei den Akkus gibt es jede Menge Auswahl – von 480 Wh über 700 und 720 Wh bis hin zu mächtigen 960 Wh. Die Auswahl an Bedienteilen ist noch größer als bei den Akkus. Aufgrund der vielfältigen Anwendung des Pinion E-Drive Systems an verschiedenen E-Bike-­Typen wie Cargobikes, Citybikes und E-MTBs ist das auch gut so. Wer ein eigenes Display bevorzugt, dem stehen zwei Optionen zur Verfügung: das große Display Comfort und das etwas minimalistischere Display Compact. Beide können mit der Basic Remote kombiniert werden. Alternativ besteht auch die Möglichkeit, das eigene Smartphone in Verbindung mit dem Drive Screen der FIT E-Bike App zu nutzen. Für diejenigen, die es noch sportlicher mögen, gibt es das FIT Remote Display, das ein kleines Farbdisplay im Bedienteil integriert. Für ein maximal minimalistisches Design gibt es die FIT Remote Pure, die lediglich ein schmaler Ring am Lenker ist und mit der sogenannten Master Node im Oberrohr kombiniert wird.

Die gesamte Funktionalität des FIT-­Systems wird in der Smartphone-App gebündelt, die sowohl für iOS als auch für Android in den jeweiligen App-Stores erhältlich ist. Nachdem die individuelle Keycard des E-Bikes gescannt wurde, können hier alle Unterstützungsstufen nach eigenen Bedürfnissen angepasst werden. Zusätzlich können Einstellungen für Smart.Shift wie Pre.Select und Start.Select vorgenommen werden. Gerade letzteres bietet einen echten Mehrwert, den wir so auch von der Automatik-Schaltung beim Auto kennen. Beim Halt, wechselt das System automatisch in den für den Start programmierten Gang. Darüber hinaus bietet die App eine Navigation mit einem Reichweitenrechner. Dieser zieht die Topografie mit ein und hat somit einen erheblichen Einfluss auf die Reichweite und durch den Drive Screen wird das Smartphone zum Display. Sicherheitsfunktionen wie die Deaktivierung des Antriebs über das Smartphone sind ebenfalls enthalten.

Das Pinion E-Drive System ist also mehr als nur eine weitere spannende Option auf dem E-Bike-Markt. Es wird die Art und Weise, wie wir künftig über E-Bike Antriebe denken und sprechen, nachhaltig verändern.


Wir haben für euch eines der ersten Pinion E-MTBs im WE+Bike Check gehabt. Spannende Fahreindrücke und wie sich die Technik in der Praxis schlägt, seht ihr im Video.

Mehr zum BULLS VUCA EVO AM 2 und zur Technologie lest ihr auch hier: BULLS.de

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