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Der Inselpostbote auf dem E-Lastenrad

Der Inselpostbote auf dem E-Lastenrad

Holger Comien ist Postbote auf der autofreien Insel Baltrum. Mit seinem AN-T E-Lastenrad trägt er pro Tag bis zu einer Tonne Pakete aus. Wir haben den Ostfriesen auf seiner Tour begleitet und einen Postboten vorgefunden, wie wir ihn uns wünschen.

„Moin!“ Friesisch und herb klingt der Gruß aus dem Mund von Holger Comien wie ein freundliches „zack“, und damit sind alle Nettigkeiten ausgetauscht. Wer mit den nordischen Charakteren nicht vertraut ist, dem kommt es etwas ungewöhnlich vor, wie man mit einem kurzen Wort, so viel sagen kann.

Auf der Auto freien Insel werden die Pakete vom Schiff per Pferdekutsche an die Verteilerstation gebracht.

Aber gut, viel gibt es nicht zu sagen, die Arbeit ruft. Wir kamen gemeinsam mit der Post per Fähre über die Nordsee nach Baltrum. Das Wetter ist wie bestellt: leichter Nieselregen, windig und erfrischend kühl, friesisch herb eben. Von der Fähre wird die Post auf eine Pferdekutsche verladen und an den Zustellstützpunkt geliefert. Ja, richtig gelesen – per Pferdekutsche. Was auf zunächst etwas rückständig klingt, wirkt bei näherer Betrachtung wie ein Blick in die Zukunft. Zwar ist die 650-Seelen-Gemeinde Baltrum nicht aus ökologischen Gründen autofrei – dies ist eher der Größe geschuldet, es ist die kleinste der sieben Ostfrieseninseln. Das angestrebte Ziel der Deutschen Post AG, ab 2050 emissionsfrei zu sein, hat Baltrum aber schon heute erreicht. So werden die Pakete der Insulaner per A-N.T.-Lastenrad mit einem 250 Watt starken Elektroantrieb über schmale Wege an die Haushalte verteilt.

Der Onlinehandel verändert das Inselleben

Viele Einkaufsmöglichkeiten gibt es auf Baltrum nicht. Ein Lebensmittelgeschäft, Zwei Bäcker, ein paar Klamottenläden, die aber eher auf den Tourismus abzielen – das war’s. Wer mehr brauchte, musste aufs Festland, zumindest bis vor einigen Jahren. Seit der Online-Handel auf Baltrum Einzug hielt, lässt es sich für die Insulaner komfortabler leben. „Ob ein Paket nach München oder hierher geschickt wird, ist für DHL egal, es kostet das Gleiche und dauert nur einen Tag länger“, weiß Holger Comien zu berichten, der sich gemeinsam mit seinen zwei Kollegen über immer mehr verschickte Pakete freuen darf. Klar, das sichert den Arbeitsplatz auf seiner geliebten Heimatinsel.

„Moin“

„Die Insulaner bestellen inzwischen vieles online – das geht von Elektrobedarf bis zu Baumaterialien und Wein. Alles, was DHL halt so transportiert. Hinzu kommen noch die Aufträge der Touristen, die Pakete oder ihr Gepäck vorausschicken“, so der Postbote weiter. Das kann zuweilen eine ganze Menge sein, denn in der Hochsaison sind bis zu 5.000 Besucher auf der kleinen Nordseeinsel. „In dieser Zeit habe ich dann das Fünffache an Paketen aus- zuliefern und fahre drei bis fünf Touren pro Tag.“

Bis zu 50 Kilometer täglich an Wegstrecke auf dem A-N.T.-Lastenrad

So kommen für ihn pro Tag bis zu 50 Kilometer Wegstrecke zusammen, bei denen er 800 bis 1.000 Kilo transportiert. „Die Insel ist zwar klein, aber ich habe auch viel Leer- strecke, wenn ich wieder zurück zum Zustellstützpunkt muss oder zwei Fahrten zum Zeltplatz im Osten habe. Pro Tour verlade ich in etwa 200 Kilogramm, manchmal auch mehr. Heutzutage kann man auch Blumenerde verschicken“, so Holger Comien stirnrunzelnd zu seinen Ladungen und Fahrten.

Der Postbote kennt jeden

Wenn man Comien begleitet, sieht man einen Postboten, wie man sich ihn wünscht. Für jeden Bewohner der Insel hat er ein friesisch nettes „Moin“ übrig, begrüßt jeden beim Vornamen und hat im- mer einen lockeren Spruch auf der Zunge. Baltrum ist gefühlt kleiner als ein Dorf; das Inselleben stärkt das Gemeinschaftsgefühl und die Insulaner halten zusammen – dass er einer ist, ist nicht zu verkennen.

Wenns draußen windet und stürmt, wird Holger durchaus einmal zu einer Tasse Tee eingeladen.

Obwohl es nun gefühlt aus allen Richtungen regnet, scheint Comien das Wetter absolut nichts auszumachen. Der Lastenradler kurbelt munter seine Tour ab und kommt aus dem Schwärmen vom schönen Inselleben nicht heraus. Wenn er Bewohner antrifft, gibt es einen kurzen, freundlichen Schnack. Dann tauscht man sich über allerlei Interna des Insellebens aus und natürlich über Persönliches.

Der „Wunscherfüller“ von Baltrum, Postbote Holger Comien.

Denn machen wir uns nichts vor: Der Postbote weiß so einiges. Das liegt in der Natur der Sache, wenn wir einmal ein paar Tage im Urlaub sind und sich die Pakete stapeln, Baumaterial für die neue Gartenhütte angeliefert wird oder eine Vorliebe für französische Weine entdeckt wurde. Das bringt Lieferer und Empfänger näher, denn der Postbote auf Baltrum ist auch Wunscherfüller und wird von den Insulanern sehnsüchtigst erwartet. Wo alltägliche Waren rar sind, freut man sich über die Post vom Festland – auch wenn es nur die neuen Schuhe sind, die Holger Comien am nächsten Tag als Retoure wieder in Richtung Festland mitnimmt.

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FOTO: CHRISTIAN BENDEL

Diese Reportage erschien zuerst im WE+Bike Magazin, hier umsonst herunterladen!

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